Sicherheitstipps

Sicherheitsmaßnahmen für Photovoltaikanlagen

Wie schon das bayerische Landeskriminalamt in seiner Pressemitteilung feststellte, sind Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) seit einigen Jahren bundesweit das Ziel von Diebesbanden. Entwendet werden hauptsächlich Solarmodule / Photovoltaikmodule und Wechselrichter die in Solaranlagen und Solarparks montiert sind. Besonders gefährdet sind Anlagen, die außerhalb besiedelter Gebiete liegen und durch die geografische Lage schwer einsehbar sind. Aber auch Material, das zur Auslieferung oder Montage in Lagerhallen, Feldscheunen oder auf Transportfahrzeugen bereitsteht, wird entwendet. Die Täter machen sich dabei die gute Erreichbarkeit der Anlagen über befestigte Wege zu Nutze und transportieren das Diebesgut mit Kleintransportern oder Lastkraftwagen ab. Die Nähe zu überregionalen Straßen wie Autobahnen oder Bundesstraßen wirkt sich dabei tatbegünstigend aus.


Sicherungsempfehlungen

Sicherungstechnik ist ein wichtiger Baustein bei der Errichtung von Photovoltaikanlagen, denn Sicherungstechnik bedeutet für die Täter eine längere „Arbeitszeit“ und damit auch ein größeres Entdeckungsrisiko. Der Faktor „Zeit“ spielt für „Solarmodul-Diebe“ somit eine wichtige Rolle. Sicherheitsmaßnahmen können Diebstähle zwar nicht grundsätzlich verhindern, jedoch den ein oder anderen Dieb abschrecken.

Befestigung der Anlagenteile

Es sollte darauf geachtet werden, dass Solarmodule und Wechselrichter sich nicht mit handelsüblichen Werkzeugen lösen lassen. Es sollte besonders Wert auf eine Befestigung gelegt werden, die sich nur mit Spezialwerkzeug oder durch Zerstörung lösen lässt. Dies hat einen erheblichen Einfluss auf den Faktor „Zeit“ (Widerstandszeitwert). Dazu eignen sich beispielsweise:

  1. Mechanisch codierte Schrauben,
  2. Schrauben mit speziellen Antrieben wie z.B. Innensechskant, Torx usw.
  3. Schrauben mit eingeschlagenen Stahlkugeln oder Stahlstopfen,
  4. Schrauben mit Einwegantrieben
  5. Modulklemmen ohne Schrauben oder
  6. sonstige gleichwertige Befestigungssysteme.

Zugang zur Solaranlage

Sind Solaranlagen mit Fahrzeugen entsprechender Ladekapazitäten gut zu erreichen, erleichtert dies Dieben den Diebstahl. Wenn es die speziellen örtlichen Gegebenheiten erlauben, sollte deshalb das nahe Heranfahren an die Anlage durch natürliche Durchfahrtshindernissen oder mechanische Durchfahrtsbarrieren möglichst verhindert werden.

Einfriedung / Aufstiegshilfen

Einfache Maschendraht- oder Wildzäune, stellen für professionelle Diebesbanden kaum ein Hindernis dar, und können allenfalls als „juristische“ Grenze angesehen werden. Auf Zäune sollte jedoch verzichtet werden, da schwer zu erreichende Dachanlagen den Tatanreiz mindern. Bei Dachanlagen sollte darauf geachtet werden, dass Aufstiegshilfen gesichert oder abgenommen werden.

Solaranlagen auf und in Gebäuden

Neben der schwerpunktmäßigen Sicherung der im Freien installierten Anlagenteile sollten Gebäude und Räume mit Wechselrichtern eine mechanische Grundsicherung aufweisen. Dazu gehören auch die Sicherung aller Außentüren/-tore, der Fenster und Kellerlichtschächte. Es wird vorgeschlagen, für die innenliegende Anlagentechnik einen eigenen, besonders gesicherten Raum zu schaffen. Ein besonders gesicherter Raum, sollte möglichst wie folgt ausgelegt sein:

  1. Umfassungswände und Decke in besonders fester Bauweise,
  2. geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Türen nach DIN V ENV 1627 mindestens der Widerstandsklasse WK 3, keine Fenster, Lüftungsöffnungen kleiner 25 x 12 cm.

Überwachungseinrichtungen

Übergriffe auf Photovoltaikanlagen sollten schnellst möglich an Polizei und Sicherheitsdienst gemeldet werden. Dazu sind spezielle aufeinander abgestimmte Überwachungstechniken wie Videoüberwachungs- und Einbruchmeldeanlagen (EMA) möglich und geeignet. Diese Maßnahmen sollten als Ergänzung zu den genannten mechanischen und organisatorischen Maßnahmen gesehen werden und diese nicht ersetzen.

Dokumentation und Kennzeichnung der Geräte

Um gestohlene Gegenstände zu identifizieren, werden alle verfügbaren Kennzeichen benötigt. Es wird somit empfohlen, schon beim Bau der Photovoltaikanlage darauf zu achten, dass alle Identifikations- und Seriennummern der Geräte dokumentiert werden. Zusätzlich gibt es Möglichkeiten die Module/Geräte selbst individuell zu kennzeichnen bzw. zu codieren. Eine Täterüberführung wird dadurch
erleichtert, das Diebesgut für Hehler uninteressant und die Eigentumsrückgabe ermöglicht.

Grundsätzlich sollten folgende Mindestinformationen zum Produkt auf dem Label oder in einer Datenbank vorhanden sein:

  1. Eigentümerdaten
  2. Kontaktdaten
  3. Standort der Anlage
  4. Kategorie des Produktes (Solarmodul , Wechselrichter, ...)
  5. Hersteller des Produktes
  6. Typenbezeichnung des Produktes
  7. Seriennummer / Identifikationsnummer

Sonstige Empfehlungen

  1. Die Lagerung von PV-Komponenten z.B. in Feldscheunen sollte ebenso vermieden werden wie die unbewachte Bereitstellung auf frei zugänglichen Transportfahrzeugen.
  2. Anlagenteile, die beim Anlagenbetreiber vorübergehend zur Montage bereit gestellt werden, sollten nur in mechanisch gut gesicherten und abgesperrten Lagerhallen aufbewahrt werden.
  3. Für Auslieferungslager mit dauerhaft größeren Beständen an PV-Komponenten wird die Errichtung einer Einbruchmeldeanlage empfohlen (siehe Ziffer 2.7).
  4. Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten kann eine Grundstücksbeleuchtung abschreckend wirken und das Entdeckungsrisiko erhöhen. Ob und in welchen (Teil)Bereichen einer PV-Anlage eine Grundstücksbeleuchtung sinnvoll sein kann, sollte mit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle geklärt werden.
  5. Achten Sie auf verdächtige Personen, die Ausspähversuche unternehmen könnten, z.B. auf ortsfremde Personen und Fahrzeuge in der Nähe von PV-Anlagen.
  6. Regelmäßige Kontrollen der Anlagen, insbesondere auch der Einfriedung und achten Sie auf Unregelmäßigkeiten wie z.B. Markierungen im Zaun.
  7. Information und Sensibilisierung der Nachbarn.
  8. Kein persönliches Vorgehen gegen verdächtige Personen, da mit rücksichtslosem Verhalten der Täter gerechnet werden muss.
  9. Wichtig!
Bei verdächtigen Wahrnehmungen sollte die Polizei sofort verständigt werden.

Internetwachen der Bundesländer:

  1. Polizei Baden-Württemberg
  2. Polizei Bayern
  3. Polizei Berlin
  4. Polizei Brandenburg
  5. Polizei Bremen
  6. Polizei Hamburg
  7. Polizei Hessen
  8. Polizei Mecklenburg-Vorpommern
  9. Polizei Niedersachsen
  10. Polizei Nordrhein-Westfalen
  11. Polizei Rheinland-Pfalz
  12. Polizei Saarland
  13. Polizei Sachsen
  14. Polizei Sachsen-Anhalt
  15. Polizei Schleswig-Holstein
  16. Polizei Thüringen